Samstag, 17. Januar 2009

Sulursari im Januar

Seit wir aus Sumatra wiedergekommen sind, ist ganz viel passiert (oder nicht sooo viel, aber ein paar grosse Sachen). Das erste davon ist, dass ich jetzt alleine in Pak Parmans Haus wohne, weil Sara das Haus gewechselt hat. Wir haben naemlich Mauese als Mitbewohner und damit ist sie nicht zurecht gekommen, weil sie solche Angst vor ihnen hat. Ich habe damit aber kein Problem und will auch nicht wechseln, weil ich mehr als zufrieden mit meiner Gastfamilie und auch sehr gluecklich dort bin; also wohnen wir jetzt getrennt. Ihr neues Haus ist aber nur gute 200 Meter entfernt, was ja nicht so weit ist. Ausserdem finde ich das auch nicht so schlimm, weil ich ein paar Probleme mit Sara und ihrer Art hatte und sie mir teilweise sehr auf die Nerven ging. Jetzt ist es im Haus zwar ruhiger, weil niemand mehr da ist, der nonstop redet, aber angenehmer. Ausserdem kommen die Jungs jetzt auch wieder haeufiger, also jeden Abend ;-), zu uns ins Haus, was ueber November und Dezember sehr abgeschwaecht war, und daher sind die Abende jetzt immer gefuellt mit Stimmengewirr, dass ich nicht verstehe, weil sie ja alle Javanisch sprechen und ich das noch nicht kann! (Aber ich bin am Lernen ;-) ). Manchmal verwandeln wir es in ein Kasino und spielen Karten mit Geldeinsatz: 3 Cent pro Spiel ;-) ! Davon kann man hier aber eine Menge kaufen.

Am Donnertstag-Abend wurde unser Haus zu einer Musholla (eine Art kleine Moschee) und der ganze grosse Raum war zum Bersten voll mit Frauen in den traditionellen muslimischen Gewaendern. Sie gehoeren alle so einem Frauen-Club an und auch Pak Parmans Schwester und weil deren Haus aber zu klein ist, haben sie sich hier zum Beten getroffen. Das machen sie jeden Donnerstagabend, um den heiligen Freitag einzuleiten, und jedes Mal in einem anderen Haus. Ich durfte sie begleiten und musste dabei Jilbab tragen (dass heisst, ich wollte es auch, um ihnen meinen Respekt entgegenzubringen). Nur beim Beten bin ich nach hinten gegangen; aber sie haben ja auch gesungen und natuerlich gegessen! Das war sehr spannend und ueberhaupt, empfinde ich den Islam hier als eine sehr menschliche und auf eine Art liebevolle Religion. Ich habe viele Gespraeche mit Pak Parman ueber den Islam und Religionen insgesamt. Hier sind die Muslime so nett und freundlich, wie es die Naechstenliebe der Christen vorschreibt, und in Sachen Naechstenliebe kann ich hier mehr Beweise finden als zu Hause in unserer christlichen Gemeinschaft. Die Bilder der fanatischen Muslime, die sich nach dem 11.September in vielen Bereichen Europas gebildet haben, gibt es hier zwar auch, aber es gibt genauso gut fanatische Christen. Und diese Fanatiker sind nur ein winziger Bruchteil! Hier sind alle einer Meinung: die Fanatiker sind schlecht und boese oder wie man das ausdruecken soll; der fanatische Islam wird hier keinesfalls unterstuetzt und ich habe auch noch nie irgendwelche Probleme gehabt, weil ich Christin bin! Die gibt es hier ja auch und hier leben alle friedlich miteinander. Mit Pak Parmans Worten: Disini ada aman saja! (Hier gibt es nur Frieden!).

Ich inmitten all der Frauen, die ganz gluecklich darueber waren, dass ich dabei war!

Ich neben dem Imam, dem Gebetsleiter sozusagen (wie ein Pastor).

Die Jungs, die auch mitgemacht haben.

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