Sumatra ist tatsächlich ganz anders als Java: es ist kälter, es regnet mehr, es ist grüner, die Kühe sind dicker, es ist leerer und die Menschen haben einen anderen Akzent. Aber es ist wunderschön und wir, also Erin, Sara und ich, haben die Regentage immer sehr gut abgepasst, weil wir genau dann immer weitergereist sind und somit in Bussen saßen! ;-)
Als allererstes sind wir nach Bukit Lawang gefahren, direkt nach unserer Ankunft am Flughafen in Medan. Darüber war ich sehr glücklich, weil man dort doch die Orang-Utans anschauen kann! So haben wir dann auch ein sehr interessantes Weihnachtsfest verbracht: An Heiligabend sind wir zuerst zu einer angeblichen Fledermaushöhle gelaufen, aber außer Dunkelheit, rutschigen Steinen und bis in die Unterwäsche kriechenden und beißenden Ameisen haben wir dort nichts gefunden, nicht mal das kleinste Fledermäuschen. Später sind wir dann zur Orang-Utan-Fütterungsstation gegangen und haben uns die süßen Affen angeschaut, aber mir hat es besser gefallen, als wir sie im Wald gesehen haben. Am ersten und zweiten Weihnachtstag haben wir nämlich eine Trekkingtour durch den Dschungel gemacht und dabei sind uns drei Mal Orang-Utans begegnet. Man muss aber dazu sagen, dass die Orang-Utans, die wir gesehen haben, nur halbwild sind, die ganz wilden verstecken sich tiefer im Wald. Wir haben sogar Mamas mit Babys gesehen! Ich habe bestimmt eintausend Fotos gemacht, aber ich lade hier nur ganz wenige hoch, weil das immer so ewig dauert. Übrigens weiß ich jetzt was Orang Hutan, wie er auf Indonesisch heißt, bedeutet: Mensch-Wald, also Waldmensch! ;-) Die Trekkingtour war teilweise sehr anstrengend, weil es dauernd auf und ab und durch Gestrüpp und über Felsen und durch matsch ging, aber es hat sich allemal gelohnt. Wir haben abends in so ganz einfachen Zelten am Fluss übernachtet und konnten auch in Fluss baden gehen. Es war aber ein bisschen kalt, weil die Sonne an dem Tag nicht geschienen hat. Am nächsten Tag sind wir dann noch ein Stück weiter gewandert und dann später fast eine Stunde lang in riesigen Gummiringen auf dem Fluss zurückgeraftet – das war lustig!
Nach Bukit Lawang sind wir dann nach Berastagi gefahren; das ist eine Stadt in den Bergen, was man auch sehr gemerkt hat: das Wasser beim Duschen war eisig kalt und auch sonst hat mich die Stadt eher an die Anden in Bolivien erinnert als an Indonesien. Dort sind wir mit einer Gruppe SEHR fotogarfier-begeisterter Malaysier – dass heißt, jeden zweiten Schritt ist einer von ihnen vorausgelaufen und hat geschrien: Smile! – auf den Gunung Sibayak gestiegen, das ist ein noch aktiver Vulkan und man kann von oben aus auf ganz Berastagi und noch weiter gucken – wenn es nicht bewölkt ist, so wie in unserem Fall. Es gibt auch ganz viele Sulphurgeysire dort oben und der Gestank nach faulen Eiern hatte ich auch noch nach dem Duschen abends an mir! ;-) Vielleicht kam das aber auch davon, dass wir danach noch in heißen Quellen gebadet haben, die natürlich auch voller Sulphur waren!
Von Berastagi aus haben wir dann so eine Art kulturelle Busfahrt zum Danau Toba unternommen, was sehr toll was, weil einem die 6 Stunden Busfahrt dann viel kürzer vorkamen. Zuerst sind wir in ein Batak-Dorf gefahren – die Batak sind ein altes Volk in Sumatra und haben eine große Tradition. Wir hatten einen sehr guten Führer, der uns herumgeführt und uns dabei all unsere Fragen beantwortet hat! Danach haben wir Spiso-Piso angeschaut, einen Wasserfall, zu dessen Plattform man ganz genau 290 Stufen heruntersteigen muss, dann kann man ihn ganz frontal anschauen. Außerdem hat man einen wundeschönen Ausblick auf den Danau Toba. Da sind wir dann auch direkt hin, nachdem wir noch ein Batak-Königsdorf oder so angeschaut haben (das mangels Erklärungen oder Führung etwas eintönig war). Der Danau Toba ist ein riesiger Kratersee, mit der Insel Samosir (die eigentlich keine Insel ist, weil sie über einen kleinen Landsteg mit dem Festland verbunden ist) in seiner Mitte. Diese Insel ist sehr beliebt bei Touris und auch bei Einheimischen und gerade über Silvester war es dort sehr voll – zumindest nach angaben der Hostelbesitzer, die alle behauptet haben, alle Zimmer seien schon voll. Ich hatte aber manchmal den Eindruck, in einer Geisterstadt zu sein: alle Restaurants leer, die ach so vollen Hostels dunkel, nur wenige Menschen auf den Strassen. Ich hab wirklich keine Ahnung, wo sich all diese Menschen versteckt haben (es müssen ja doch welche da gewesen sein, denn unser Boot zur Insel war ja auch ziemlich voll). Aber es ist wirklich schön dort und wir haben ein paar herrliche Tage mit schwimmen und sonnen und faulenzen zugebracht. Silvester haben wir mit zwei Französinnen, Mutter und Tochter, verbracht, die uns auf eine Flasche Champagner eingeladen hatten. Viel Feuerwerk gab es nicht, ein paar vereinzelte Knaller und drüben auf dem Festland in Parapat konnten wir ein paar mehr Knaller beobachten, aber es war eher ein ruhiges Silvester.
Unsere letzte Etappe war dann Bukittinggi, eine Stadt in der Mitte Sumatras und eine 14-stündige Busfahrt von Parapat entfernt. Im Bus war es arktisch kalt – ich stelle immer wieder fest, dass indonesische Fahrer kein Gespür für die Klimaanlage haben. Ich saß neben einem Soldaten in meinem Alter, der sehr nett war und so haben wir die lange Busfahrt mit Quatschen zugebracht und ich hab ihn übers indonesische Militär ausgequetscht, darüber hab ich mich hier nämlich noch nie unterhalten. Bukittinggi ist wieder eine Bergstadt und wir waren leider zu kurz da – nu einen Tag, den wir in einem Dorf verbracht haben, das bekannt ist für seine Songket-Weberei. Diese Songket-Stoffe sind auch wirklich sehr schön, mit goldenen oder silbernen Fäden eingewebt. Abends hatten wir dann ein Verabschiedungsdinner, weil Sara und ich ja wieder nach Java zurückkehren mussten, aber Erin schon mit ihrem Freiwilligenprogramm fertig ist und jetzt noch drei Monate durch Indonesien, Malaysia und Thailand reist. Also ist sie nicht mehr mit uns zurückgeflogen, das haben wir dann allein gemacht! ;-)
Diese Reise war sehr schön und ich freue mich, eine andere Insel von Indonesien kennen gelernt zu haben und die ganzen Unterschiede sehen zu können. Ich könnte noch ganz viel mehr erzählen, aber darauf müsst ihr dann warten, bis ich wieder zu Hause bin!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen