Freitag, 5. Dezember 2008

Wie die Zeit vergeht…

Manchmal vergeht die Zeit hier wie mit Siebenmeilenstiefeln (wobei ich den Ausdruck aus Omas Mail klaue, finde ich sehr passend) und manchmal schleicht sie dahin wie eine verstopfte Sanduhr.
Die zwei Wochen nach Kariumjawa vergingen sehr schnell, wahrscheinlich weil ja Inteack hier war und wir dann auch ein bisschen Abwechslung hatten und ihm ja erstmal unser Dörflein zeigen und ihn in die indonesischen Sitten einführen mussten; aber jetzt waren wir am Wochenende in Semarang und seitdem verkriecht sie wie eine Schnecke. Außerdem hat mich die Schule diese Woche irgendwie genervt, und jetzt bin ich erstmal froh, dass wir schon wieder frei haben! Nächste Woche ist nämlich Mitt-Semester-Test für die armen Kiddies und wir werden uns dann wohl in Yogyakarta vergnügen, aber was Genaues haben wir noch nicht geplant – man ist hier sehr viel spontaner als zu Hause!
Aber ich hab auch ein bisschen Heimweh, wenn ich an die schöne Weihnachtszeit und das gemütliche Winterwetter denke – aber dieses Jahr werde ich ein ganz besonderes Weihnachten haben: Erin, Sara und ich werden über die Winterferien (oder Semesterende-Ferien oder wie es nun auch heißt, hier ist ja kein Winter und kein Weihnachten, weil ja mehr oder weniger alle Muslime sind) zwei Wochen lang nach Sumatra reisen und unsere erste Station ist Bukit Lawang, wo ich dann hoffentlich meine heissgeliebten Orang-Utans sehen werde!! Da freu ich mich schon so drauf!!! Und da man dort auch eine Zwei-Tages-Trekking-Tour in den Jungle machen kann, werden wir wohl Weihnachten zwischen grünen Bäumen, Vögeln, Lianen und vielleicht dem einen oder anderen wilden Orang-Utan feiern! Das ist zumindest unser Plan, um nicht irgendein an zu Hause erinnerndes Weihnachtsfest zu kreieren, weil das hier einfach nicht geht in der Hitze und den Muezzin-Rufen fünfmal am Tag und kein kleinstes Fitzelchen Weihnachtsdeko. Also futtert schön alle für mich mit!
Ich weiß nicht, ob ich noch mal vor Weihnachten ins Internet komme, also wünsche ich euch allen hiermit schon mal zur Vorsorge ein wunderschönes und glückliches Weihnachtsfest mit hoffentlich ganz viel Schnee!!! ;-)

Oshin und ich zwischen all den Haien, die ihr unten besser erkennt! ;-)




Der sehr leckere Snack von dem Schulleiter, am besten haben die gebackenen Bananen geschmeckt!


Kue Bandung essen und faulenzen in Mas Ketuts Haus nach dem Ausflug!

Karimun zum Dritten

Oshin und Mas Ketut mit Schwimmwesten, weil beide nicht schwimmen koennen!

Wir alle in unserem kleinen Boot!

Ich und Erin im Partnerlook ;-)


Der Typ im blauen T-Shirt ganz vorne ist unser Guide, der Rest sind wir (ich bin ganz rechts, falls ihr das wissen wollt! ;-) )!

Karimun zum Zweiten

Die ganze Truppe von links nach rechts: Bu Asri, Sara, Oshin, saya, Faustine, Kyra, Inteack und Erin!

Ich und Oshin im Becak!

Aku tresno sliramu! (unschwer zu erraten ;-) )


Im Pick-up, oder besser auf dem Pick-up, mit dem wir herumgefahren sind! ;-)

Karimunjawa

Karimunjawas wunderbare Traumkulisse!

Wir, unser Boot und der Strand!


(ohne Worte ;-) )

Oshin, Inteack and me!

Karimunjawa – long time ago

Nach ewig langer Zeit melde ich mich jetzt auch mal wieder zu Wort und obwohl mittlerweile schon wieder so viel passiert ist und mein Kopf voll mit Gedanken an Yogyakarta und Sumatra ist, will ich erstmal von der wunderschönen Inselgruppe Kariumjawa berichten, zu der Mas Ketut uns Freiwillige von DEJAVATO, die gerade irgendwo in Indonesien platziert sind, über das Wochenende Mitte November eingeladen hatte. Karimunjawa ist wie gesagt traumhaft, direkt von einem Traumstrand-Poster in die Wirklichkeit gesetzt, nur hat leider nicht die Sonne geschienen. Trotzdem gab es die Kokosnusspalmen am Strand und das Wasser war so unglaublich türkisfarben, durchsichtig und flach, dass man den Sand meilenweit sehen konnte, und es hätte sicherlich auch klischeehaft in der Sonne geglitzert, wenn denn welche da gewesen wäre. Jedenfalls haben wir also zwei Tage (eher nur eineinhalb, weil die Schiffe dahin nicht so oft fahren und wir uns an deren Zeiten halten mussten) zwischen Kalimantan und Java in Javanischen Meer verbracht. Mit dabei waren Mas Ketut, Oshin und Bu Asri (so eine Lehrerin, keine Ahnung, warum die genau mit war, vielleicht wollte sie ein bissle ausspannen) aus Indonesien, Sara, ich, Erin aus Kanada, Kyra aus God old Germany, Faustine aus Frankreich (die irgendwie sehr kompliziert ist und die ich nicht ganz verstanden hab mit ihren verwirrenden Erzählungen, aber so weit ich folgen konnte, arbeitet ihr Mann wohl für 1 ½ Jahre in Kalimantan und daher ist sie auch in Indonesien und hat nach dem Karimunjawa-Trip für zwei Wochen in Semarang gearbeitet) und Inteack aus Korea, der die zwei Wochen danach mit uns in Sulursari war und eine Woche Sara, eine Woche mich in die Schule begleitet hat. Wir waren ein lustiger Haufen und der Ausflug war wirklich ganz wunderbar und auch alle Fotos sind voll toll, weil wir alle so rundum glücklich aussehen (ich werde gleich natürlich auch versuchen, einige Fotos hoch zu laden). Das einzige nicht so gute an dem Ausflug war das Essen, denn weil wir ja vom Meer umgeben waren, gab es fast nur Fisch – mjam, ist ja nicht so meine Leibspeise, aber wir waren ja nur zwei Tage da! ;-) Jedenfalls haben wir gleich am Samstag ein Meeting mit der Schule auf Karimunjawa gehabt, wo wir erst noch beim Pfadfinderei-Training der Schüler zuschauen durften (was SEHR militärisch war, mit Gleichschritt und Hand-an-den-Kopf und lauter so ein Krims, irgendwie hab ich gar nichts Pfadfindermässiges entdecken können, oder gehört Flagge hissen dazu?), und dann hatten wir ein Volleyballmatch mit denen. Dann sind wir endlich an den Strand gegangen, aber nur wir Freiwilligen, scheinbar gehen die Indonesier nicht gerne schwimmen (würde ich auch nicht, wenn ich dabei immer so viel anziehen müsste :-) ). Das Wasser war – mir fällt kein besseres Wort ein, das es besser beschreibt – pisswarm und es war richtig merkwürdig, so lange im Meer zu sein ohne irgendwann zu frieren anzufangen! Ich würde so einen Strand gerne direkt hier neben Sulur haben!!
Der Sonntag hat mir noch viel besser gefallen als der Samstag, weil wir da zuallererst zu so einer anderen Insel hinausgefahren sind, um dann davor zu Schnorcheln. Wir hatten also die ganze Ausrüstung mit sexy Taucherbrille und so und auch einen Guide, der aber nicht viel gesagt hat (weil man ja unter Wasser bekanntlich nicht so viel versteht), uns dafür aber ganz viele tolle Riffe gezeigt hat und wir haben so viele Fische gesehen! Ich kann nur die Nemo-Fische namentlich aufzählen, der ganze Rest war bunt und mir unbekannt, aber sehr schön anzuschauen. Am besten war es, wenn man sich ganz still direkt über einem Riff auf dem Wasser treiben lassen hat (das ist nämlich so salzig, dass man auch ohne Bewegung nicht untergeht) und in Ruhe alles unter einem beobachtet hat. Ich hätte nur gerne Kontaktlinsen gehabt, dann hätte ich die ganze Vielfalt wohl noch schärfer wahrnehmen können! ;-) Wir durften auch einen Seestern anfassen, den der Guide hochgeholt hatte.
Danach kam das beste am ganzen Ausflug, wenn man das überhaupt irgendwie einteilen kann, aber wir sind dann zu so einer Art Schwimmbecken am Anleger gefahren, dass mit Steinen eingezäunt war, und darin schwammen – nach Oshins Zählung – 14 süße kleine Haie! Die waren so groß wie du, Julius, wenn du immer noch so groß bist, wie du warst, als ich losgefahren bin! Und weil sie kein zähes Menschenfleisch mögen, konnten wir mit ihnen herumschwimmen und haben einen Wer-fässt-die-meisten-Haie-an-Wettbewerb gestartet, den ich haushoch gewonnen hab – ich habe ganze 13 zu fassen bekommen! Aber ich hab auch eine spezielle Technik entwickelt, wenn ihr also Haie fangen wollt: wendet euch an mich! ;-) Die fühlen sich ein bisschen an wie Mikrofaser-Handtücher, nur ein bisschen rauer.
Das war dann auch schon alles, was wir gemacht haben; ich könnte ja noch viel mehr erzählen, aber ich bin einerseits zu faul und andererseits wird das hier sonst ein Roman, wenn ich euch alles erzählen würde, was ich gerne wollte. Also lad ich jetzt die Fotos hoch! :-)

Dienstag, 28. Oktober 2008

Ha - hier sind doch die restlichen Bilder von Sulur!

Dieser Mann (leider hab ich den Namen vergessen) fand uns so faszinierend, dass er uns diese zwei von ihm selbsgemachten Masken geschenkt hat - wie schoeen, sie haengt jetzt bei mir im Zimmer!

Pak Parman in einem Restaurant in Purwodadi.

Meine Schueler in unserem Haus, die kommen immer einfach so vorbei. :-)

Sara und ich haben gelernt, solche tollen Taschen zum Darin-Reis-Kochen aus Kokosnussplamenblaettern zu weben, sehr cool!
Ich beim Geschirrspuelen!

DEJAVATO Meeting again

Nochmal ein anderes Spiel im Wasser (das helle Maedchen ganz vorn ist Erin aus Kanada, sie ist fuer zwei Monate in Semarang).

Die liebe Oshin - wir haben uns bis drei Uhr nachts wunderbar unterhalten, waehrend um uns herum alles geschlafen hat und das war so lustig, dass ich es am liebsten in ein Marmeladenglas packen moechte, um es in ungluecklichen Momenten oeffnen kann udn einfach nur Lachen muss! :-)

Ich und Erin mit Pisang Bakar, gebratener Banane mit Schokostreuseln umhuellt - EINDEUTIG ein weiterer Essens-Favorit!!

Munif aus Jepara beim Bananen braten.

DEJAVATO Meeting

Am Wochenende hat uns Mas Ketut zu einem Treffen in Ungaran mit allen Freiwilligen von Dejavato eingeladen und das war so lustig! Wir waren insgesamt vier Weisse und der Rest waren Indonesier, die alle mehr oder weniger mal irgendwann an einem Workcamp von Dejavato teilgenommen haben, aber es hat Spaa gemacht mal mit so vielen Leuten in meinem Alter zusammen zu sein und wir hatten auch keine Verstaendignungsprobleme, weil die alle Englisch sprechen konnten!

Auswertung der Workcamps
- ich hab mich dabei die ganze Zeit sehr nett mit Dewi neben mir (mit rosa Kopftuch) unterhalten! :-)
Wir haben Spiele gespielt im Pool und es wirklich fantastisch eklig mit Klamotten zu schwimmen, die einen so schwer machen wie ein Stein. Aber da alle mit Klamotten schwimmen gehen, wollte ich ganz bestimmt nich halbnackt nur im Bikini aufkreuzen...


Sara und ich!

Bloed...

aber ich kann einige der ausgewaehlten Bilder nicht hochladen, kein Plan warum. Also muesst ihr euch mit denen hier Vorlieb nehmen.

Mehr Bilder von Sulur...

Das sind (von links nach rechts) Ayu, Ketuts Schwester, Bu Sri, Ketuts Mutter, und der kleine suesse Adnan, der Sohn von Ayu.

Abendessen im Regen im Wohnzimmer und Eingansraum, dem groessten Raum im Haus, benutzbar fuer alles. Sara wurde uberall vom Regen vollgetropft, sosehr sie sich auch umgesetzt hat, also hat sie schliesslich mit handtuch um den Schultern gegessen! :-)

Regen in Sulur - alle stehen merkwuerdig verrenkt unter unserem Vordach, keine Ahnung, warum sie nicht einfach reinkommen!


Die lieben Kinder von Sulursari... (meine Schueler ;-) )

Agus (Ketuts Bruder), Seno (unser kleiner Bruder, jedenfalls ist er irgendwie immer bei uns im Haus) und Pak Parman beim Ludo spielen, Saras selbstgemachten Spiel, dass eine etwas abgeaenderte Version von Mensch-aergere-dich-nicht ist!

SULUR!

Nun das Interessanteste: Bilder aus Sulursari!

Mas Ketut in unserem Haus und immer mit Laptop!

Sara vor unserem Haus.

Wir beim Kartenspielen, wie so oft umringt von Kindern und Zuschauern.

SATE AYAM, das absolut beste Essen hier!!! Sate Ayam sind kleine Huehnerstueckchen auf Spiessen, die ueber dem Grill gegart werden und dann mit einer koestlichen Erdnusssosse serviert werden.


Sara beim Waschen im Bad; wir haben keine Waschmaschine, dafuer sind die Sachen meistens in Null komma nix trocken. :-)

My home, my Sulursari

Es ist sehr praktisch, dass Sara (die Daenin), ihren Laptop mit nach Indonesien gebracht hat und sie so nett ist und ihn mir leiht, daher kann ich jetzt naemlich diesen Artikel hier zu Hause in Sulursari verfassen und muss das nicht im Internetcafé machen. Letztes Mal (vor zwei Wochen) war ich zu faul, als wir in Purwodadi waren – obwohl das Internetcafé echt toll war, man musste seine Schuhe draussen lassen und sass dann im Schneidersitz vor den Computern auf dem Boden. Aber wenn man nur einmal in zwei Wochen ins Internet kommt, braucht man erst mal ewig, um der Familie zu schreiben.
Also, Sulursari ist eine wunderbare kleine Hauptstadt; ja, wir wohnen tatsaechlich in einer Hauptstadt! Allerdings ist in Indonesien alles in Regionen und Departments und noch kleinere Abschnitte und so weiter unterteilt, dass Sulursari so winzig ist (6000 Leutchen, die groesstenteils noch nie vorher einen Europaeer gesehen hatten), dass man es auf keiner Landkarte findet. Aber es ist sehr schoen hier, sehr tropisch mit Mangobaeumen vor dem Haus (die immer mit einem lauten Plumps herunterfallen und ein wahres Gerenne ausloesen, denn wer die Mango zuerst aufhebt, ist ihr stolzer Besitzer und kann sie genuesslich vor aller Augen verspeisen) und Bananenstauden um die Ecke und noch mehr Gruen, dass ich nicht kenne und von denen ich mir die Namen nicht merken kann. Sara und ich leben bei Pak Parman, der einen lustigen Namen hat, da er vollstaendig Suparman heisst und das ausgesprochen wie Superman klingt. Pak Parman ist Mitte Vierzig und Singel, sehr nett und stark darum bemueht, sein Englisch zu verbessern, also sprechen wir ein munteres Gemisch aus Englisch und Bahasa Indonesia (und wenn ich sehr sehr faul bin, rede ich deutsch, weil Sara das ein bisschen kann). Ich habe gluecklicherweise ein eigenes Zimmer mit einem Bett wie eiine Hoehle, weil es umgeben ist von einem riesigen Moskitonetzkasten. Allerdings kann ich einen Satz perfekt: „Nyamuk cinta saya“, „Die Muecken lieben mich“, denn ich weiss nicht wieso, aber im Gegensatz zu Sara und natuerlich auch den Indonesiern, die scheinbar immun gegen Muecken sind, fahren diese schrecklichen Viecher voll auf mich ab und bevorzugen dabei seltsamerweise mein linkes Bein. Meine Beine sind also knieabwaerts haesslich zerstochen und dass, obwohl ich mir sogar zweimal am Tag die Muehe mache, sie mit stinkendem Anti-Muecke-Zeug einzuschmieren. Mein Zimmer ist klein (Bett, Schrank, grosser Nachttisch, drei Quadratmeter freier Fussboden), aber eindeutig am regendichtesten! Der Regen hier ist immer sehr aufregend, zu Beginn laufen wir durchs Haus auf der Suche nach undichten Stellen und es findet sich immer was (wenn man zum Dach raufguckt, sieht man gleich die blanken Dachziegel, nichts mit Isolierung hier). Normalerweise regnet es erst am spaeten Nachmittag und dann auch meist nur etwa eine Stunde und das nicht mal taeglich. Die eigentliche Regenzeit faengt aber auch erst im November an und man sieht schon, dass es mehr regnen wird, die letzten beiden Regenschauer waren kraeftig und langanhaltend. Jedenfalls wechselt Pak Parman am Tag nach dem Regen immer Dachziegel aus. Manchmal faellt hier auch das Licht aus, bloederweise immer in den Abendstunden. Letzten Samstag hatten wir ein Kerzenscheindinner und Sara hat sogar mit kerzenlicht geduscht, weil sie gerade auf dem weg zum Mandi (Bad) war, als der Strom weg war! J Das Bad hier besteht aus einem wunderbaren Hockklo, dass gar nicht mal so furchtbar ist wie es sich anhoert, und einem gemauerten Rechteck in Badewannengroesse, das mit Wasser vollgefuellt ist. Daraus schoepft man dann mit einer Kelle Wasser und schmeisst das ueber sich – voila, meine Dusche. Macht aber Spass, weil man so wunderbar herumspritzen kann und dabei das ganze Bad ueberflutet. Ausserdem geht man hier zweimal taeglich duschen, morgens und dann bei Sonnenuntergang, weil es dann endlich mal ein wenig kuehler wird und man nicht mehr ganz so dolle schwitzt wie tagsueber. Diese Hitze ist echt unbeschreiblich; Sara hat mit ihrem Fiebertermomether draussen die Temperatur gemessen und ist tatsaechlich auf 42,3 gekommen, dann hat das Termomether den Geist aufgegeben. Laut Pak Parman ist es tatsaechlich 40 Grad – aber ich bin immer noch so kaesig wie immer, weil man es in der direkten Sonne einfach nicht aushalten kann. Also bevorzugen alle den Nachmittag oder Abend. Wir haben unter der Woche volles Programm, da wir Montag, Dienstag und Donnerstag Bahasa Indonesia Unterricht mit Mas Edi (dem Sohn von meinem Schuldirektor, sehr spindelduerr und nett) haben und Mittwoch und Freitag dann Tanzunterricht mit Bu Tati oder wie sie auch heissen mag. Hatten wir erst zweimal und ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich diesen jawanischen Tanz tatsaechlich mag oder nicht, weil er einerseits sehr interessant ist und schoen aussieht, wenn er von einem indonesischen Menschen getanzt wird, aber ich mir selbst manchmal wie eine Schnecke gepaart mit kopfruckendes Huhn vorkomme. Ausserdem ist er schwer, weil alles perfekt auf einander abgestimmt ist und die Haende in einer Art und Weise gedreht und bewegt und verschoben werden muss, die ich noch nicht so ganz verstehe.
Es ist hier auch normal, dass alles drunter und drueber geht, wir sollten zum Beispiel diese Woche (heute ist Donnerstag, der 23.10.08) Ferien haben, weil so ein Mitt-Semester-Test ist, aber am Sonntag wurde es dann kurzfristig um eine Woche verschoben; und auch bei meinem Stundenplan hab ich noch nicht so ganz den Durchblick, weil die Schulglocke von den Lehrern selbst betaetigt wird und die manchmal einfach wahllos darauf herumdruecken und nicht zu den eigentlichen Zeiten. Meine Mit-Lehrer in der Schule sind alle sehr nett und versuchen immer mit mir Bahasa Indonesia zu sprechen, aber dabei vergessen sie immer, dass ich das nicht fluessig kann und auch nicht verstehe, wenn sie wie ein D-Zug sprechen. Aber es ist immer sehr lustig, weil alle auf mich einbrabbeln und ich dann irgendwann auch was verstehe. Ich unterrichte 140 Minuten am Tag, zweimal 70 Minuten. Das hoert sich nicht sehr viel an, aber man ist doch etwas geschlaucht nach 70 Minuten Unterricht, wobei sich in meinen Klassen immer so 40 Kinder tummeln, meine vierte Klasse besteht sogar aus sage und schreibe 46 Kindern! Waeren glatt zwei Klassen in Deutschland. Einerseits macht mir das Unterrichten Spass, aber andererseits ist es auch sehr anstrengend, weil ich alles, wirklich alles vorbereiten muss, da die Kinder so schlecht Englisch sprechen (eigentlich gar nicht) und ich kein Indonesisch, also muss ich selbst vorbereiten, was ich sagen will. Aber langsam wird es besser und man merkt sich die notwendigen Woerter wie „Aufgepasst“ und „Hinsetzen“ und „Ruhe“! J Und ich kann auch nach und nach Saetze machen ohne sie vorher aufzuschreiben, wenn auch sehr laaangsaaam. Das Problem in der Schule ist, dass die Waende zwischen den Klassen aus einer einzigen Sperrholzplatte bestehen und ich daher, wenn ich Bahasa Indonesia verstuende, immer wuesste, was die Klassen rechts und links von mir machen. Letztens hatte ich das Vergnuegen, einem in voller Lautstaerke gesungenen Lied der vierten Klasse zu lauschen, so dass ich meine eigenen Schueler anschreien musste, damit sie mich verstehen. Aber sie sind alle ganz liebenswert und auch wenn sie laut und unruhig und hibbelig und kribbelig sind, sind sie suess. Ich bin uebringens allein an meiner Schule, SD Satu, weil es vier Grundschulen gibt (sehr kinderreich hier) und Sara an SD Tiga unterrichtet. Wir haben auch fast immer einen Kindergarten um uns herum am Nachmittag, weil die Kinder immer zu Pak Parmans Haus kommen, also unserem Haus. Sowieso sind hier immer viele Leute und komischerweise ist mir mehr oder weniger nie langweilig, nur vermisse ich manchmal doch all die Sachen, die ich zuhause machen, Fahrradfahren oder malen oder was weiss ich, spazieren gehen oder so. Die meiste Zeit sind wir naemlich hier im Haus. Aber wir haben Badmintonschlaeger gekauft in Purwodadi und auch Tischtennisschlaeger. Wenn wir die zwei grossen Tische zusammenschieben, haben wir eine fast perfekte Tischtennisplatte! J Und dann spielen wir Karten und einmal hat einer der Jugendlichen draussen Gitarre gespielt und gesungen und wir haben dabei alle Karten gespielt. Und ausserdem kriege ich staendig Einladungen von den Lehren, die alle wollen, dass ich sie besuche und letzten Samstag waren wir mit Mas Edi in seiner Schule und haben da Hallo gesagt und danach noch mit ihm und einem Freund Tischtennis in einer anderen Schule gespielt und vorgestern waren wir bei einer wunderbar faszinierenden Hochzeit, die laut und prunkvoll und spannend war, und am Sonntag waren wir in einem Kleckersdorf mit der Fussballmannschaft von Sulur, weil die da ein Spiel hatten, dass dann in einem wunderbaren Regenguss stattgefunden hat, so mit spritzenden Pfuetzen und Schlamm-verdreckten Klamotten (aber sie haben 2:0 gewonnen).
Ich habe noch nicht mal die Halfte von dem erzaehlt, was ich gerne wuerde, aber es ist einfach alles viel zu viel und man muss fuer euch ja auch alles erklaeren! J Also hoer ich jetzt erst mal auf und versuche mich vielleicht im Internetcafé noch mal aufzuraffen und ein bisschen mehr zu schreiben und ausserdem kann ich euch hoffentlich ein paar Fotos hochladen!! Morgen sind wir von Mas Ketut, dem Chef der Organisation, nach Semarang eingeladen wurden, also gibt es Internet!
Und vielen Dank fuer eure Kommentare, ich freu mich und wenn ihr euch nicht registrieren wollte – ich hab ja eine E-Mail-Adresse!
Liebste Gruesse aus dem heissen Tropenparadies!

Idul Fitri


Idul Fitri wird das Fest am Ende des Ramadhans genannt und wir haben es in Wirosari gemeinsam mit Mas Ketuts (der Chef von DEJAVATO und unserer Ansprechpartner) Familie verbracht, mit viel Haendeschuetteln und Karten spielen!

Diese Torten sehen so unglaublich lecker aus - aber ihr muesst bedenken, dass es keine Backofen gibt, also bestanden sie aus so einem merkwuerdig festem Glibberzeug, nicht sehr schmackhaft! :-(

Ein paar Leute aus Mas Ketuts Familie, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Namen erinnern, weil es einfach zu viele Leute waren!

Karten spielen mit der Familie! Karten spielen ist hier sehr beliebt und wir haben auch schon indonesische Spiele gelernt, unter anderem "Miniuman" (Getraenk), bei dem die Strafe fuers Verlieren ein Glas Wasser ist, weil Alkohol nicht getrunken wird. Hier verlier ich gern - Trinken bei der Hitze ist immer gut! :-)

Ein Haufen Schuhe vor den Haeusern, weil man die hier immer auszieht.

Ich inmitten von lauter Indonesiern aus unserem Dorf, die man an Idul Fitri alle besucht, um Haende zu schuetteln und alle boese Taten vom letzten Jahr zu vergeben. :-)

Borobudur und Yogyakarta

Am Samstag nach unserer Ankunft haben wir einen Ausflug nach Borobudur, einem der groessten und besterhaltensten alten budhistischen Tempeln der Welt, gemacht und waren anschliessend noch (zu kurz) in Yogya!

Wir vor Borobudur!

Eine der Stupas von Borobudur (eigentlich sind die so mit Steinen bedeckt wie im Hintergrund, aber die hier hat man extra zum Angucken geoeffnet).

Der ganze Tempel ist ueber und ueber mit solchen Reliefen bedeckt, voll schoen, und man fragt sich, wie die das geschafft haben vor so vielen Jahren?!


Ein Mann, der eine Wayang Kulit-Figur macht aus echtem Leder - die sind extrem fein und schoen!

Ungaran















Bilder von unserem On-Arrival Training in Ungaran, etwa eine Stunde von Semarang entfernt - liebe Oma, das findet man bestimmt auf der Karte! :-)

Das Haus von Ketuts Onkel, in dem wir fuer die 6 Tage gewohnt haben! (Es ist eines der reichen Haueser.)

Reisfelder! Oshin (sorry, hab beim letzten Mal Aussin geschrieben, es ist das gleiche Maedchen) fand es ganz lustig, dass wir unbedingt ein Reisfeld sehen wollten!

Oshin und ich! :-)


Sara und ich im Pasar, dem traditionellen Markt hier. Wir mussten irgendwas kaufen, damit wir ausprobieren, Indonesisch zu sprechen - unsere Wahl viel auf Wasserflaschen und Klopapier!

KUE BANDUNG!! Mein Favourit an suessen Sachen, allerdings ist das hier Kue Bandung Biasa (Normal), dass heisst so ein Pfannkuchenartiger Teig mit Schoko, Kondensmilch und Erdnussstueckchen innendrinne, und am Freitag haben wir Kue Bandung Hitam Manis (Schwarz und Suess) gegessen, was NOCH leckerer ist, weil dann der Teig auch mit Schoko ist!